Westaustralien - Teil I
(17.01.-16.02.2024) Unsere zweite Australienreise beginnen wir in Perth, der Hauptstadt Westaustraliens. Wir verbringen ein paar Tage in der Stadt, um sie uns in Ruhe anzusehen, aber auch um uns von kühl nach warm und von Camper auf Auto und Unterkünfte umzustellen. Perth ist eine gemütliche Stadt, mehr für die Bewohner als für Touristen. Im „Western Australia Museum“ verbringen wir einen ganzen Tag, so toll sind die verschiedenen Ausstellungen. Die „WA Art Gallery“ hingegen packt uns nicht wirklich. Kulinarisch hat die Stadt alles zu bieten, was man sich so vorstellen kann. Das ist einer der Vorteile von Einwanderungsländern.
Von Fremantle machen wir einen Ausflug nach Rottnest Island. Die Insel ist für seine tollen Buchten und die große Quokka Population bekannt. Es ist unmöglich von der Insel zu kommen und keinen Quokka gesehen zu haben. Menschen stören die kleinen Beuteltiere nicht wirklich.
Unsere Reise führt uns zunächst in den südwärts. Schroffe und liebliche Buchten, sagenhaft weiße, fast menschenleere Strände, glasklares Wasser, umtoste Kaps, beeindruckende Höhlen und uralte riesige Eukalypten begleiten uns auf dem ersten Teil der Westaustralienerkundung. Später führt uns der Weg durch unfassbar riesige Ackerbaugebiete, vorbei an Silo- und Getreideverteilstationen in Ausmaßen, die wir uns so nicht vorstellen konnten. Wir lassen uns fesseln von den Erosionen des Wave Rocks und der Pinnacle Desert, den Aus- und Einblicken des Kalbarri Nationalparks, den Salzpfannen, die unseren Weg säumen und schon mal pink sein können, aber auch den Küstenabschnitten der Shark Bay und der Coral Coast. In Monkey Mia werden wir fast von Delphinen umgeschwommen. Das Nationalpark Personal achtet allerdings darauf, dass man das Wasser verlässt, wenn sich die Delphine in unmittelbarer Strandnähe tummeln. In Exmouth dürfen wir beobachten, wie Meeresschildkröten nachts zur Eiablage an den Strand kommen. Das ist schon ein sehr spezieller Moment, nachdem wir schon an den vorangegangenen Tagen immer wieder Spuren am Strand entdeckt hatten. Es gibt einen Leitsatz für diese Situation, wenn man Schildkröten an Land kommen sieht: Stop! Drop! Act like a Rock! Sobald man sich bewegt, gehen sie zurück ins Wasser. Das kann fatale Folgen für die Schildkröten haben. Wildlife zu respektieren ist sowieso immer ratsam, egal wo auf der Welt.
Leider sind wir zu einer Zeit des Jahres unterwegs, in der hier vieles geschlossen hat. Die Australischen Ferien sind vorbei und für die paar ausländischen Touristen, die jetzt hier unterwegs sind, wird kein Fass aufgemacht. Man nutzt die Zeit für Renovierungen und eigene Ferien. Das was geöffnet ist nutzt die Monopolstellung für gepfefferte Preise. Das muss man in Kauf nehmen.
Am Capricorn Wendekreis beginnen auch hier im Westen die Tropen. Davon später mehr.
(Perth – Cape Leeuwin – Valley of the Giants – Albany – Bremer Bay - Esperance – Hyden – York – Geralton – Kalbarri – Shark Bay - Coral Bay – Exmouth)
Westaustralien - Teil II
(17.02.-08.03.2024) Der „Tropic of Capricorn“ – der südliche Wendekreis ist der „Klimazonenschalter“. Ab hier wird es feucht warm. In Exmouth war es schon warm und auch ein bisschen schwül. Je mehr wir uns von der Küste Richtung Outback entfernen umso heißer wird es. Das Thermometer zeigt in Tom Price 48°C an. Als wir das gut klimatisierte Auto verlassen, merken wir, dass auch noch über 90% Luftfeuchtigkeit sind. Im Karijini Nationalpark wollen wir die Schluchten, Pools und Wasserfälle bestaunen. Wasserfälle gibt es gerade nicht, zu wenig Regen. Die Schluchten sind dafür spektakulär. Den Abstieg wagen wir allerdings nur in den Hamersley Gorge. In dem Pool am Grund der Schlucht ist genug Wasser, um sich abzukühlen. Wenn oben 43° sind, sind unten in der Schlucht 50°. Tom Price ist ein Ort, der uns einen Vorgeschmack gibt auf die Gemeinden und Städte, die noch kommen werden. Diese sind ausnahmslos durch Vorkommen von unterschiedlichen Bodenschätzen und der Verfügbarkeit von Wasser entstanden. Bis Port Hedland begleitet uns roter Staub. Es gibt riesige Eisenerzvorkommen, die in gewaltigen Tagebauen abgebaut werden. Um diese Erzmassen zu bewegen ist hier alles etwas größer, die Trucks in den Pits, die Road Trains und die Züge. Wir lernen, dass ein Zug von Tom Price nach Port Hedland 320 Waggons hat, von vier Loks gezogen wird (2 vorn, 2 in der Mitte). Das macht eine Länge von 5 km. Die Entladung eines Waggons dauert 57 Sekunden. Das heißt, ein Zug ist nach ca. 6 Stunden leer und kann wieder zur Mine. Das muss man alles nicht wissen, aber wir sind fasziniert. Wir wohnen in Port Hedland auch zum ersten mal in einem Miners Camp. Ein Hotel für überwiegend Minenarbeiter, aber auch andere Gäste. Es ist straff organisiert ist und bietet für die Gäste eine ausgezeichneter Vollverpflegung. Das kann man nicht von vielen Hotels sagen.
In und um Broome wollen wir wieder mehr unbeschadete Natur erleben. Leider erfahren wir, dass Aktivitäten in den Kimberleys der Regenzeit und der Hitze wegen nicht stattfinden. Keine Flüge, keine Schiffe. Das ist schade, aber wir nehmen es wie es ist und machen das Beste draus. Die Farben in dieser Gegend Westaustraliens sind besonders schön.
Die Entfernungen in Australien sind oft nicht so schlimm, wie es gern berichtet wird. Ganz im Norden von WA kann es aber schon mal zäh werden. Es gibt kaum Unterkünfte, dafür aber viel Gegend, die sich nicht oder sehr langsam verändert. Da man in Sachen Unterkünfte manchmal nicht wählerisch sein darf, erleben wir am Eighty Mile Beach was es bedeutet, dass es viele Buschfliegen gibt. Die sind im Norden und in den Wüsten sowieso überall und nervig, aber dort ist es extrem.
Der Weg nach Kununurra ist Baobab-Land. Teilweise sehen wir sehr alte Exemplare mit gewaltigen Stämmen und Kronen. Bei Kununurra grenzt Westaustralien an das Northern Territory. Hier beschließen wir nicht bis Darwin zu fahren, sondern ganz in Ruhe auf der Outback Route wieder nach Süden und dann wieder nach Perth zu reisen. Es ist zu nass. Zu viele Straßen und Parks sind noch aufgrund von Überschwemmungen gesperrt. Von Kununurra aus können wir immerhin ein paar Dinge versuchen. Der Flug über den Lake Argyle, die riesige Argyle Diamantenmine und den Bungle Bungle Nationalpark ist leider nur ein Teilerfolg. Zu viele Wolken, die zu tief hängen, um sie zu unterfliegen. Schade! Eine spontan gebuchte Bootsfahrt über den Lake Argyle ist dafür sehr schön und auch das Wetter spielt mit.
Wir fahren etwa 400 km des Great Northern Highways. Stations (Rinder- oder Schaffarmen) und Minen, darauf lässt sich die Strecke reduzieren. In Meekatharra – wieder so ein sterbender Minenort – hat man die Hoffnung, dass der schöne Peace Gorge Touristen bringt. Wir haben Zweifel, dass eine hübsche Felsenschlucht dafür reicht. Wenn die Eisen-, Gold-, Silber, Diamanten- und Nickelminen sich nicht mehr lohnen, gehen die meisten Menschen. Das sieht man den Orten an.
Wir überfahren am Goldfields Highway wieder den Tropic of Capricorn. Diesmal in die andere Richtung.
Dieser Reiseabschnitt lehrt uns, dass Australien nicht überall schön, aber immer faszinierend ist. Und wir lernen, was der Mensch in der Lage ist zu bewegen, um der Erde Dinge zu entreißen, die wir alle recht gedankenlos täglich brauchen oder gern hätten. Und wir lernen, dass viel Staub sogar Wolken färbt.
(Exmouth – Tom Price & Karijini National Park – Port Hedland – Eighty Mile Beach – Broome – Kununurra & Lake Argyle – Meekatharra & WA Outback)
Westaustralien - Teil III
Das Westaustralische Outback hält uns noch etwas in seinem Bann. Wir fahren an kilometerlangen Minen vorbei. Überwiegend Eisen, Nickel und Gold, aber auch ein paar seltene Erden und Diamanten werden hier abgebaut. Es ist ein riesiges Gebiet, in dem das Leben der Menschen bestimmt wird durch Bergbau. Schließen die Minen sterben die Orte. So sind Newman oder Kalgoorlie Boulder lebendige prosperierende Städte. Norseman, Leonora oder Coolgardie hingegen sind traurige Anblicke. Die bunt angestrichenen Häusergiebel sehen von weitem hübsch aus. Darunter die Geschäftszeilen sind leer und die Gemeindeverwaltungen haben die Kommunikation mit den letzten verbliebenen Einwohnern auch eingestellt. Dann gibt es Zwergdörfer wie Sandstone. Da haben sich die 50 Einwohner mit der Minenschließung arrangiert. Das Dorf sieht immer noch hübsch aus. Auch wenn das Hotel inzwischen geschlossen hat, finden wir in der alten Post ein richtig gutes Café, das von den paar Dorfbewohnern und ein paar Durchreisenden wie uns frequentiert wird.
In diesem Teil Australiens lernen wir auch, dass die unzähligen „Floodway“ Schilder ihre Berechtigung haben. Wenn hier von „Wet Season“ die Rede ist, meint man Wasser – viel Wasser, das keineswegs immer da auftritt, wo es auf die Erde fällt. Einige überflutete Straßen können wir noch befahren, auch wenn es manchmal den Puls erhöht. Eine Vollsperrung zwingt uns dann aber doch zu einem Umweg von fast 1000 Kilometern, um nach Kalgoorlie Boulder zu kommen. Es gibt eben nicht so viele Straßen im Outback und die unasphaltierten sind größtenteils gesperrt und aufgeweicht für uns in diesem Zustand nicht befahrbar (ohne Allrad Fahrzeug).
Dass wir nach Kalgoorlie wollen finden die Australier, die wir treffen befremdlich. "Da gibt's doch außer Minen nichts!", sagt man uns. Und wie antworten, "Eben. Und die wollen wir sehen." In Kalgoorlie Boulder besuchen wir den KCGM Super Pit. Das ist der größte Goldtagebau Australiens. In den späten 80er Jahren haben sich die vielen kleinen Minenbetreiber zusammengetan und ihre inzwischen sehr gefährlichen Untertage-Minen zu einem riesigen Tagebau umgebaut. Das Loch ist gewaltig. Es ist 4 km lang, 1,5 km breit und über 500 m tief. Der Uluru (Ayers Rock) würde da auf dem Kopf stehend reinpassen. Die unzähligen Minenfahrzeuge, Bohrer, Wasserkanonen und Bagger ergeben ein sehr spannendes Bild. Eigentlich schon eine Choreographie. Diese riesige Wunde in der Landschaft hat auch eine gewisse Ästhetik. Die Stadt Kalgoorlie Boulder ist eine, für australische Verhältnisse, alte gewachsene Stadt. Die ca. 35.000 Einwohner sind ausgehfreudig und es gibt noch Lokale an deren Bars spärlich bekleidete Mädchen den Minenarbeitern und Touristen überwiegend alkoholische ausschenken. Etwas aus der Zeit gefallen, aber sehenswert. Auch bei Tag sieht die Stadt mit ihren Gebäuden aus den 1900er Jahren ganz hübsch und europäisch aus. Nur sind hier die Straßen viel breiter. Es gibt ein Minen Museum, das Paddy Hannan gewidmet ist. Der hat als erstes Gold in Kalgoorlie gefunden und den Goldrausch hier ausgelöst. Wir bekommen einen Eindruck, wie hart das Leben die Goldsucher noch vor 60 Jahren war. Und wie armselig. Heute sind Minenarbeiter gut bezahlte Angestellte, die überwiegend der Größe der Pits angemessene Fahrzeuge und Gerätschaften bedienen.
Zurück in Esperance an der Küste wird es wieder trockener, kühler, fliegenfrei und schöner fürs Auge. Im Moment haben wir genug vom Outback. In Williams Bay entdecken wir „Elephant Rocks“, die den Namen wirklich verdienen, aber in keinem deutschen Reiseführer vorkommen. Diese Felsformation sieht tatsächlich aus einigen Perspektiven aus, wie eine dicht gedrängt stehende Elefantenherde. In Albany können wir Dinge nachholen, die wir zu Beginn unserer Reise wetterbedingt nicht machen konnten. Wir erklimmen den „Castle Rock“, klettern über die Felsen bei „The Gap“, „Natural Bridge“ und den Blowholes. Die alte Walfangstation, aber auch die wunderschönen Buchten von Frenchman‘s Bay wollen auch noch erkundet werden. Jetzt wo wir uns hier im Südwesten mehr Zeit nehmen, entdecken wir noch ein paar Dinge, die wir vor zweieinhalb Monaten übergangen haben. Das Ferguson Valley mit seinen felsigen Flussbetten, dem toll bemalten „Wellington Dam“ und den gigantischen Eukalyptusbäumen ist toll. Die Küste mit den mal felsigen Abschnitten und den andererseits endlosen einsamen Sandstränden fängt uns erneut. In Perth schließt sich dann der Kreis unserer Reise. Irgendwie ging es plötzlich doch schnell zu Ende.
Wir möchten keinen Tag unserer Reise missen. Und wir sind dankbar, dass wir einen einigermaßen vollständigen Eindruck von Australien mit nach Hause nehmen können.
(Sandstone – Leonora - Payens Find – Merredin – Coolgardie – Kalgoorlie Boulder & Super Pit Goldmine – Esperance – Albany & Castle Rock – William Bay & Elephant Rocks – Walpole – Augusta & Cape Leuwin – Bunburry – Fremantle – Jurian Bay – Perth)